Kurzzeittapetenwechsel

Nach Dahn und Umgebung zog es mich in Gedanken schon seit Wochen – allerdings ließ sich mein Vorhaben, mal wieder den Pfälzerwald mit seinen schönen Felsmassiven mit dem Mountainbike oder zu Fuß zu genießen, erst einmal nicht umsetzen wegen dem meist miesen Wetter der letzten Zeit in Kombination mit der Tatsache, dass es schon so früh dunkel wurde. Und ich kann ja nicht jeden Tag schon morgens los.

Sobald feststand, dass ich das Konzert von Beyond The Doors im Bärenbrunnerhof besuchen würde, reifte der Plan, meinen Aufenthalt dort etwas auszudehnen, sofern das Wetter mitspielte. Und das tat es: kein Regen, kein Schnee, keine ganz so krasse Eiseskälte – unter der Auswahl der Möglichkeiten in dieser Jahreszeit freut man sich fast schon über einen grauen Himmel bei 2°C.

Dass die Doors-Coverband am Faschingsfreitag im Bärenbrunnerhof den Geist von Jim Morrison & Co. wieder zum Leben erweckt, ist inzwischen schon legendär und die Musik brachte viele Tanzbeine in dem gut besuchten Gasthaus bis spät in die Nacht zum Schwingen. Es war wie immer ein Erlebnis, feucht-fröhlich und auch ein bisschen traurig, denn manche Texte der Doors gehen mir ganz schön unter die Haut, aber das war schon immer so, dass melancholische Verse à la „Music is your only friend… until the end“ im Zusammenspiel mit phasenweise psychedelischen Klängen ein ganz bestimmtes Glöckchen in mir zum Bimmeln bringen. Zum Glück hatten die Doors auch etliche eher bluesartige, lebensfrohe Songs in ihrem Repertoire und davon gab es an diesem Abend einige.

Ich kam an diesem Wochenende nicht nur musikalisch auf meine Kosten, sondern konnte endlich noch einmal die Felsenvolldröhnung erleben! Was für ein wunderbares Naturmuseum der Pfälzerwald doch ist! Erste Station nach einem Mini-Abstecher zu Braut und Bräutigam: der Jungfernsprung. Schon zigmal dran vorbeigefahren, aber noch nie da oben gewesen. Von der Straße aus sieht man gar nicht, wie weit dieser Felsriegel (Sagt man das so?) sich ins Seitental zieht, insofern war ich positiv überrascht über die Vielzahl an Einzelfelsen, an denen ich auf dem Weg zum Gipfelkreuz, das abends beleuchtet ist, vorbeikam. Kein Wunder, dass dieser Abschnitt einen Teil des Premiumwanderweges Felsenland Sagenweg bildet!

Der Sage nach stürzte sich eine Jungfrau, die dort oben unterwegs war zum Beerenpflücken, auf ihrer Flucht vor einem lüsternen Mann den 70 Meter hohen Felsen herab, überlebte aber, weil ihre Röcke sich wie ein Fallschirm aufbauschten und sie sacht landen ließen. Heutzutage schützt ein Geländer vor solchen Manövern und trotz Himmelsgrau war die Aussicht über das Tal und die Hügel in der Umgebung nicht zu verachten. Den Abstieg absolvierte ich zum Teil querfeldein… ein bisschen Abenteuer muss sein…

Besonders faszinierend fand ich, dass man hier wieder schön die verschiedenen, übereinander abgelagerten Sandsteinschichten erkennt. Mal als quer gestelltes Schichtpaket, mal horizontal…

Zunächst hatte ich überlegt, mein Mountainbike in die Pfalz mitzunehmen, aber ich war mir unsicher, ob das Wetter tatsächlich hält, und ließ Liv daher zu Hause. Ich Blödi! Wie hab ich die vielen Mountainbiker, die mir im Laufe des Tages begegneten, um ihren fahrbaren Untersatz beneidet! Manchem hätte ich am liebsten das Rad unterm Hintern weggerissen und mich selber draufgeschwungen. Aber sowas macht man schließlich doch nicht, obwohl man so manche Distanz dann nicht mit dem Auto hätte zurücklegen müssen… Allerdings kam man an diesem Tag zu Fuß deutlich besser voran und erreichte relativ bequem auch Stellen, die mit Rad nur unter größten Strapazen zugänglich gewesen wären, diverse sehr steile, wurzelige Pfädchen bergauf zum Beispiel. Auf dem Weg zur Ruine Neudahn gehört in diese Kategorie das Felsentor, hübsch verziert mit Türmchen aus kleineren Steinbrocken, wie man sie an vielen Stellen im Pfälzerwald antrifft. Jedoch hatte an diesem Tag auch manche Wanderung ihre Grenzen. So konnte ich die Burgruine Neudahn nur aus der Ferne bewundern. Kurz vor Erreichen des alten Gemäuers war nämlich das komplette Areal mit rot-weißem Flatterband abgesperrt und ein am Band befestigtes Schild drohte mit Todesgefahr. Der Mann, der dort mit dem Harvester zugange war, war der deutschen Sprache leider nicht mächtig und konnte mir meine Frage, ob man da trotzdem hochlatschen kann, ohne von einem Baum erschlagen zu werden, nicht beantworten. Also war ich vernünftig, wenn auch etwas verärgert, und drehte noch einmal um, lief aber nicht denselben Weg bergab, sondern nahm den, der zum Neudahner Weiher, der wie ein schwarzes Loch dalag, und zum Campingplatz am Ufer des Gewässers führt.

Offenbar hatte das Sturmtief Burglind, das Anfang des Jahres über die Region hinweggefetzt war, ganze Arbeit geleistet. Manche Waldbereiche sahen regelrecht verwüstet aus – beispielsweise ist die Nordflanke des Büttelfelsens fast komplett entwaldet –, wobei ich mir nicht so ganz sicher bin, ob das nur dem Sturm zu verdanken ist. Aber sichtbar waren die Sturmschäden an vielen Stellen.
Gar nicht sattsehen konnte ich mich an den vielen Eiszapfen, die an diversen Felsvorsprüngen herabwuchsen, vor sich hin tauten und hin und wieder herunterkrachten. Da waren ganz schön stattliche Exemplare dabei! Diese machten manche schmale Wege direkt unter dem Felsvorsprung, die aufgrund des steilen Hanges genommen werden MUSSTEN, besonders spannend, denn so ein herabgedonnerter Eiszapfen im Hirn löst entweder schlagartig alle Probleme, die man jemals hatte, oder beschert einem völlig neue, bis dahin ungeahnte…

Auch der Weg zum nur einen Katzensprung entfernten Lämmerfelsen zeugte davon, dass vor gut einem Monat ein Sturm für Havarie im Raum Dahn gesorgt hatte. Insofern empfand ich es auch wieder als gute Entscheidung, das Mountainbike zu Hause gelassen zu haben, denn hier und da musste man über Äste, gigantische Baumwurzeln und Baumstämme kraxeln. Andererseits bietet ein Fahrradhelm auch einen gewissen Schutz vor der Schwerkraft folgenden Eiszapfen… die paar, die während meiner Wanderung zu Boden gekracht waren, verfehlten mich aber, sodass ich auch in Zukunft keine akzeptable Entschuldigung für meinen Dachschaden habe. Der Blick vom Lämmerfelsen war trotz des grauen Himmels fantastisch, in alle Richtungen erkennt man weitere Buntsandsteintürme und die Felsen mit ihren verschiedenen Sandsteinschichten, eieruhrartigen Strukturen und der Wabenverwitterung haben’s mir ja ohnehin angetan!

Meiner Ansicht nach war ich nun genug gewandert, begab mich wieder einige Höhenmeter bergab und ließ meinen Kurzzeittapetenwechsel mit einer Runde Schwimmen im Badeparadies Felsland, gelegen am Fuß des Büttelfelsens, ausklingen.

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