Trailparkabenteuer

Nach dem Abenteuer mit Dörthe in der Pfalz >bei Interesse hier entlang< sehnte ich mich schon eine Weile nach einem neuen Radl-Abenteuer. Was nicht heißen soll, dass es im vergangenen Jahr keine aufregenden Zweirad-Ausflüge gegeben hätte, ganz im Gegenteil, ich habe einiges erlebt mit Dörthe – und mit Liv, dem neuen Familienmitglied, einem Fully aus dem Hause Giant, mit dem ich schon 2015 ein paar Tage in den Alpen verbracht hatte und das inzwischen so richtig offiziell von mir adoptiert wurde.

Trotz aller Mountainbiketrips mit nervenaufreibenden Passagen war es mal wieder höchste Zeit für ein richtiges Radelabenteuer, und das wollte ich eigentlich schon an Pfingsten erleben. Bloß hat mir der Regen tags zuvor einen Strich durch die Pläne gemacht, denn matschige Trails sind nicht wirklich ein Vergnügen für mich und so ging es erst heute in den Trailpark Mehring.

Die Wegbeschreibung, die mir ein Bekannter für das letzte Stück zum Gelände ab der Autobahnabfahrt gegeben hatte, klang total easy. Richtung Mehring… Schotterweg… Schilder… Ich hatte auch einen Ausdruck von der Karte auf der Webseite des Trailparks dabei und wollte zunächst einmal der Aufforderung der Betreiber, das Auto auf dem Mitfahrerparkplatz K85 abzustellen und von dort aus loszuradeln, nachkommen. Bloß war da weit und breit kein Wegweiser zum Trailpark und das Internet an meinem Handy funktionierte da oben am Mehringer Berg nicht. Da es trotz der frühen Uhrzeit schon ganz schön warm war, wollte ich auch nicht einfach drauflosradeln und mal gucken – wer weiß, wie lange ich unterwegs sein würde bis zum Start!? Auf gar keinen Fall wollte ich am Ende des Tages geröstet sein, also hab ich mich mit dem Auto weiter Richtung Mehring vorgewagt, und siehe da, da war plötzlich dieser Schotterweg. Nix wie rein!

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich kein Geländefahrzeug besitze und mich auf der rumpeligen, sehr schmalen Piste gaaanz vorsichtig voranbewegt habe. Zwischendrin gab’s ein paar hundert Meter lang Asphalt, dann wieder Schotter und der Weg kam mir recht lang vor… so weit soll’s bis zum Start des Trailparks doch gar nicht sein!? Irgendwann kamen mir Zweifel, ob ich da überhaupt richtig bin. Und ob mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Wenn ja, wohin ausweichen? Zumal die rechte Seite, wo ich unterwegs war, die Abhang-Seite ist. Und so hatte ich mein erstes Abenteuer schon, bevor ich überhaupt am Trailpark angekommen war! (Anderen Leuten ging’s offenbar ähnlich. Als ich nämlich später am Tage wieder nach Hause fuhr, kam mir auf dem Schotterweg ein Autofahrer entgegen, hielt die Hand aus dem Fenster und gestikulierte wild, sodass ich neben ihm anhielt. Er wollte bloß fragen, ob’s da zum Trailpark geht, ob’s noch weit ist, ob man da überhaupt mit dem Auto fahren darf…)

Ab dem Start des Trailparks ist das Gelände wirklich gut ausgeschildert. Bevor ich den ersten Hang runterbretterte, pedalierte ich aber zuerst einmal ein Stück den Schotterweg zurück. An einer Stelle hat man nämlich eine Wahnsinnsaussicht über das Moseltal und die Weinhänge. Die wollte ich einen Moment genießen, weil ich nicht wusste, ob mir nach dem Trailfahren noch der Kopf danach steht.

Und dann folgte mein zweites Abenteuer. Schon direkt beim ersten Trail. Ich war nämlich davon ausgegangen, dass es bei jeder der Strecken unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt, dass sich also beispielsweise die Piste 2 aufteilt in leichte, mittlere und schwierige Passagen. Sonst gäbe es ja nur eine einzige „Baby-Bahn“ dort, den Übungsparcours Nr. 5, und der liegt nicht beim Start. Aber ich lag mit meiner Vermutung total daneben, denn es gibt nur einen Einstieg in Strecke 1 und der ist schwarz markiert – der Fahrer soll also hohes fahrtechnisches Können draufhaben und Protektoren am Leib. Alternativ kann man mit Strecke 2 starten, das ist eine rote – mittelschwer. Natürlich existiert auch ein Forstweg, der iiiiiirgendwann bei der leichten Strecke endet, aber ich fahr doch nicht in einen Trailpark und radel dann über so ’ne Waldautobahn bergab! Also ab auf Strecke 2! Erstmal vorsichtig die Lage checken, nicht zu schnell… und das funktionierte gut. Von Vorteil war, dass wenig Betrieb war. So konnte ich an zwei Stellen – hüstel – mal kurz von der Liv absteigen und schieben, weil das Gefälle der beiden wurzeligen und steinigen Hänge mir zu viel Angst einflößte. Vermutlich hätte ich die paar Meter rollen KÖNNEN, aber ich hatte einfach zu viel Schiss.

Sowas Flowiges ist mir definitiv am liebsten, wobei es hier und da ruhig auch ein bissl steiler und wurzeliger sein darf, andererseits ist ein bisschen Entspannung zwischendrin auch ganz angenehm:

Nach der ersten Trailpassage kommt man auf dem Forstweg an und hat dann wieder die Wahl zwischen 1 (schwarz), 2 oder 3 (jeweils rot) (oder Forstweg, aber der steht bergab ja nicht zur Debatte). Ich wählte die 2 und war sehr froh, dass es für alle spannenden Stellen eine Umfahrung gibt, sodass man sich das Ganze erstmal in aller Ruhe anschauen und dann abwägen kann, ob man nochmal ein paar Meter zurückschiebt und drüberfährt oder sich das fürs nächste Mal aufhebt. Drops sind durch Warnschilder an den Bäumen gekennzeichnet, was ebenfalls sehr sinnvoll ist. Dieser zweite Abschnitt der Strecke 2 endet mit gleich zwei Holzbohlenstegen. Diese Dinger treiben meinen Adrenalinspiegel immer ganz besonders in die Höhe, weil ich Schiss hab, dass ich vor lauter Aufregung eine falsche Lenkbewegung mache oder die falsche Bremse ziehe und dann einen unguten Abgang mache – ein Geländer oder irgendeine Art von Netz wie bei der Brücke bei der Crosscountry-Strecke in St. Ingbert gibt es ja nicht. Aus welchem Grund auch immer legte ich an dieser Stelle aber trotzdem schon beim ersten Mal KEIN Bremsmanöver ein, sondern radelte einfach drüber, was wirklich easy war (nur halt im Kopf nicht so ganz).

Dann hieß es zurückpedalieren zum Einstieg von vorhin, denn die Strecke 3 wollte ich auch fahren, ist ja ebenfalls eine rote und sollte daher für mich radelbar sein. Der Asphaltweg macht das Bergaufradeln recht komfortabel, allerdings schien es von Minute zu Minute heißer zu werden, wodurch das In-die-Pedale-Treten dann doch ganz schön an die Substanz ging! Aber es gab dort hübsche Felsen zu sehen, für sowas hab ich ja auch ein Faible.

Und so weit ist es ja nicht und schon ein paar Minuten später stürzte ich mich in Strecke 3. Uiuiui! Die kam mir nicht nur länger als Strecke 2 vor, sondern auch ein wenig steiler. Da fühlte ich mich nicht so wohl und weil das Zurückradeln vom vorläufigen Endpunkt bis zum Einstieg ein gutes Stück länger dauert, beschloss ich, mich erstmal nur beim ersten und zweiten Segment der Strecke 2 aufzuhalten. Mit jedem Mal fühlte ich mich sicherer und konnte beim dritten Anlauf auch über den schmalen Holzbohlenhügel und den Hügel dahinter fahren. (Ja, lacht nur! Aber ihr habt vermutlich auch mal klein angefangen!)

Bis auf die hier und da in die Trails eingebauten Mini-Hügel ließ ich alle Drops links liegen. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an die Hops-Versuche 1 und 2, die zwar unter Anleitung eines Experten erfolgt waren – und der Hubbel war wirklich winzig! –, aber trotzdem inklusive Rammen des Pedals ins rechte Schienbein. Zweimal. Das hat mir erstmal gereicht und bevor ich nicht irgendwas Ritterrüstungähnliches im Beinbereich besitze, versuche ich’s nicht noch einmal.

Den Übungsparcours wollte ich mir dann aber doch noch anschauen, was ich mir allerdings hätte sparen können, denn da scheint kaum jemand durchzurollen, dementsprechend zugewuchert und geradezu ungepflegt war diese Strecke. Ich war froh, als ich da wieder draußen war!

Beim Zurückradeln erblickte ich an einem Baum einen Wegweiser, der eine „schöne Aussicht“ versprach. Die wollte ich mir nicht entgehen lassen und wurde nicht enttäuscht.

Nach ein paar weiteren Durchgängen der beiden ersten Segmente der Strecke 2 war es so heiß geworden, dass das Bergaufradeln mit jedem Mal mühsamer wurde und ich irgendwann dachte, dass es genug ist, und zum Auto zurückradelte.

Ich werde dem Trailpark Mehring ganz bestimmt irgendwann wieder einen Besuch abstatten – vorzugsweise bei bedecktem Himmel und Temperaturen von maximal 25°C – und dann auch mal einige der anderen Strecken austesten!

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