Pfalzradelabenteuer

Schon seit Längerem hatte ich vor, mit meinem Mountainbike, der Dörthe, mal in der schönen Pfalz ein paar Runden zu drehen. Die heimischen Strecken sind zwar auch herrlich, aber da ich gerade in meiner Urlaubszeit so gut wie jeden Tag kräftig in die Pedale trat, war der Wunsch nach Abwechslung irgendwann seeeehr groß. Der Trip durch die Alpen hatte sich aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse leider erledigt, aber zumindest einer anderen Landschaft in nicht allzu großer Entfernung wollte ich einen Radel-Besuch abstatten, vorbei an hübschen Felsen und genialen Aussichten, und da ich mich dort zumindest halbwegs auskenne, fiel meine Wahl nicht auf die Luxemburger Schweiz, sondern auf die Pfalz.

Aber die vielen unaufschiebbaren Termine – in der Regel um die Mittagszeit – hielten mich erst einmal auf den Trails in der näheren Umgebung, und an jedem terminfreien Tag machte mir das Wetter einen Strich durch die Pfalz-Pläne. An meinem allerletzten Urlaubstag hab ich’s tatsächlich noch geschafft, mein Pfalz-Radel-Vorhaben umzusetzen.

Dahn Wetter

Quelle: wetter.com

Beinahe wäre es nicht dazu gekommen, denn es gab da zwei Suboptimalitäten. Erstens: das Wetter mal wieder! Diesmal bremste mich aber nicht der Regen aus, sondern die prognostizierten Temperaturen von über 30°C ließen das angestrebte Berschenuff-Duddele (und das ist in der Pfalz wirklich eine andere Nummer als hier!) als wenig erstrebenswert erscheinen, sofern nicht Hürde Nr. 2 genommen werden konnte: ultrafrüh aufstehen, um ultrafrüh in der Pfalz losbrettern und dadurch den Knockout-Temperaturen entgehen zu können. Tja, was soll ich sagen? Ich hab’s geschafft!

Einen ganz konkreten Plan, wo ich hinwollte, hatte ich nicht. Ich hab ja (noch) kein Navi. Irgendwo in Dahn parken und dann einfach in irgendein Wäldchen fahren und in Richtung der sichtbaren Felsen oder, falls da keine wären, berghoch strampeln war der Plan. Irgendwo würde da schon ein Aussichtspunkt sein. Und zu meinem Vorhaben gehörte es auch, notfalls nochmal denselben Weg zurückzufahren, falls ich mich allzu arg verzettele. Ich wollte ja nicht verloren gehen im tiefen Tann, zumal in meinem Rucksack neben dem notwendigen Kram (Handy, Kamera… und so’n paar Nebensächlichkeiten wie Flickzeug und eine Luftpumpe [/Ironie]) definitiv nicht mehr reinpasst als zwei Liter Wasser, eine Banane und ein Riegel, na ja, vielleicht zwei. Aber das hätte für ein langes Überleben in der Wildnis ja nicht ausgereicht, schon gar nicht bei Rösttemperaturen.

Zur Sicherheit hatte ich natürlich ein paar DIN-A4-Seiten mit ausgedruckten gpsies-Karten aus der Gegend dabei. (Ich kann aber schon jetzt sagen, dass mich meine Ich-fahr-der-Nase-nach-Nummer grad in den Bereich geführt hat, der auf keinem Kartenausschnitt zu sehen war. War ja klar.)

Ich startete in der Nähe von Braut und Bräutigam und war schon von dieser Felsformation sehr angetan, was sich an der Anzahl der Fotos auf meiner SD-Karte zeigt. Aber ich wusste ja so früh am Tage noch nicht, ob meine relative Planlosigkeit mich tatsächlich zu anderen Felsen bringen würde, dann lieber gleich mal ein paar Bilder mehr knipsen.

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Erfreulicherweise sind diverse Wandertouren und Radwege ab Dahn super ausgeschildert, an fast jeder Kreuzung gibt es Wegweiser und daran habe ich mich erst einmal orientiert.

Und wusch war ich irgendwo im Wald. Es ging leicht bergauf, wunderbar, die Richtung stimmte schon einmal, und irgendwann wies ein an einem Baum angebrachtes Schild auf einen Felsenpfad oder sowas in der Art hin. Ich nix wie abgebogen, weiterhin bergauf, es wurde immer steiler und plötzlich zeigte sich in einiger Entfernung der erste Felsen. Frohlocken!

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Allerdings war der Weg dorthin irgendwann so steil, so wurzelig und so felsig, dass ich meine Dörthe schieben musste, was ein ganz schön anstrengendes Manöver war! Ich überlegte sogar, das Rad an einem Baum festzuketten und zu Fuß weiterzulatschen, aber ich wusste ja nicht, was mich da oben erwartete. Ein herrlicher und gut fahrbarer Felsen-Umrundungsweg? Egal wie, das Bike musste mit, und als ich endlich an dem Felsen angekommen war, war ich so entkräftet, dass ich schon fürchtete, mein Ausflug wäre an dieser Stelle zu Ende. Dabei dachte ich, ich wäre einigermaßen fit! Ich war nassgeschwitzt, mein Herz raste, der Kreislauf kurz vorm Erliegen, jedoch MUSSTE ich nach ein paar Sekunden des Hechelns wieder weiter, weil sich sofort alle Stechmücken zum Angriff bereitgemacht hatten – mein Geruch war wohl voll nach deren blutrünstigem Geschmack – und selbst als ich wieder in Bewegung war – zu Fuß, das Radel schiebend, ging nicht anders –, ließen sich die Biester kaum abwimmeln. Trotzdem knipste ich auf die Schnelle ein paar Fotos.

So etwas wie einen Felsen-Umrundungsweg gab es tatsächlich, aber das Ding war so schmal und zugewuchert und felsig und wurzelig, dass es echt kein Vergnügen war, sich Dörthe schiebenderweise da durchzukämpfen. Ich versuchte es trotzdem, da ich schonmal da war…, fotografierte die hoch über mir thronenden Felsen – und beschloss irgendwann dann doch die Denselben-Weg-nochmal-zurück-Aktion durchzuziehen. Nur dass das Bergab-Schieben nicht weniger stressig als das Rad-berghoch-Schieben war. Hmpf. Station 1 meines Ausflugs war so gesehen nicht so prall. Aber landschaftlich wunderbar.

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Dort, wo ich einige Zeit zuvor abgebogen war, gab es noch weitere Wegweiser, in die andere Richtung, da sollte auch ein Felsen sein in nicht allzu weiter Entfernung. Na da kann man ja mal hinradeln und schauen, dachte ich mir, und der Pfad zog sich bergauf, aber gut radelbar, und nach kurzer Strecke ging der Waldweg über in einen ziemlich breiten, teils geschotterten, teils asphaltierten Weg. Eigentlich nicht so mein Ding, aber der Weg führte nach oben, also wollte ich wenigstens mal gucken, wie es hinter der ersten Kurve aussieht.

Nach einiger Zeit führte ein wesentlich sympathischer aussehender Weg wieder in den Wald hinein und ich wollte dort noch einmal mein Glück probieren – und wurde nicht enttäuscht!

Im Bereich des nächsten Wegweisers hatte sich jemand Mühe gegeben, ein paar Mini-Rocks zu Kunstwerken aufzutürmen und Dörthe warf sich sofort in Pose.

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Ich entschied mich dazu, erst einmal nach rechts weiterzufahren und sah bald schon wieder Felsen, und zwar in greifbarer Nähe. Ein Pfädchen führte vom Hauptweg nach rechts zu den Buntsandsteintürmen und auch wenn ich es nicht durchgehend radeln konnte, war das ein Klacks und ruck-zuck befand ich mich auf dem Plateau des Lämmerfelsens. War das dort so schön! Ich konnte mehrere Buntsandstein-Türme bewundern und hatte eine ganz tolle Aussicht auf den Hochstein und die Gipfel in der Ferne. Wow! Genau so etwas wollte ich sehen!

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Ein Ehepaar, das mir einige Zeit zuvor auf dem Pfädchen, wo ich wieder umgedreht war, begegnet war, saß dort oben auf der Bank und meinte, es wäre von der Stelle aus, wo wir uns zum ersten Mal gesehen haben, gar nicht weit gewesen bis hierhin. Hm. Egal. Ich war jetzt ja auch da und war zwischendrin eine Weile geradelt. Das war ja auch mein Hauptanliegen, ich hatte ja keine Ich-schieb-mein-Rad-durch-die-Pfalz-Tour im Sinn.

Nachdem ich Umgebung und Aussicht intensiv genossen hatte, düste ich zurück zu dem Wegweiser mit den Steinskulpturen…

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…und fuhr dann auch in die andere Richtung, zum Büttelfels. Das war ja mal ein schönes Pfädchen, das dorthin führte! Da der Fels mitten im Wald liegt, gab es dort zwar keine tolle Aussicht, aber hübsch war die Landschaft allemal! Allerdings eine Sackgasse für Leute mit Rad. (Ich sollte vielleicht präzisieren: Leute wie mich mit Rad. Denn es gibt da ja durchaus auch ganz andere Biker…)

Deshalb ging‘s wieder zurück zum Wegweiser und ich nahm den dritten Weg von dort aus. Der führte zunächst nach oben und anschließend den Höhenlinien entlang um den Berg und ich dachte, dass ich, wenn ich nur lang genug fahre, wieder am Anfangspunkt rauskomme, aber die Pfalz ist echt ein anderes Kaliber als meine gewohnte Umgebung und ich war eine ganze Weile unterwegs bis zur nächsten Kreuzung und die vielen Wege, die von dieser Hundl-Stelle abzweigten, waren sehr dürftig bzw. gar nicht ausgeschildert, sodass ich mal kurz den einen Weg antestete… danach einen anderen… und in Anbetracht der Tatsache, dass ich schon zwei Stunden unterwegs war und die Mittagshitze allmählich gut zu spüren war, während mein Wasservorrat sich zunehmend schmälerte, den ganzen langen Weg wieder zurückfuhr. Hmpf, die zweite. (Ein Blick auf die gpsies-Karte zu Hause zeigte aber, dass das Zurückradeln eine gute Idee war.)

EisIch beschloss nun, mich wieder nach Dahn rollen zu lassen und von dort aus einen Abstecher auf die Burg Altdahn zu machen. Die Rinder, die morgens noch über die Wiese verteilt waren, ballten sich inzwischen im Schatten und meine Haut signalisierte bereits, dass sie eigentlich schon genug UV-Strahlung abbekommen hatte. Aber ich hatte noch nicht genug, wollte aber auch keine Experimente bezüglich des Weges mehr wagen und hielt mich daher auf den Straßen. Während ich beim Radeln durch Dahn dem prallen Sonnenschein ausgesetzt war, lag wenigstens das letzte Stück Strecke zur Burg im Schatten und es ging wieder ordentlich steil bergauf, die krasseste Schräge kurz vor Ankunft an dem alten Gemäuer. Dort gönnte ich mir erst einmal ein Eis. Das hatte ich mir verdient!

Danach schaute ich mir die Teile der Burg an, wo ich mit dem Rad gut hinkam. Das war Dörthes erster Burgbesuch, wenn mich nicht alles täuscht! Die Wabenverwitterung zog mich wieder ganz besonders in ihren Bann; Wahnsinn was die Natur für bizarre Formen erschafft! Auch die Aussicht war nicht zu verachten! Aber überall war Sonne und die Haut in meinem Gesicht fühlte sich an, als wäre sie kurz vor der Brandblasenbildung, weswegen ich doch schneller als vorgesehen den Weg Richtung Auto antrat.

Das stand auch um diese Zeit noch voll im Schatten. Strike!

 

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